30.4.15

Biologieunterricht im Kindergarten

"Mama, heute ich mir beim Klaus ein Herbarium gemacht!" 
"Was hast du gemacht?" 
"Ein Herbarium, Mama." 
"Ich hab das immer noch nicht verstanden." 
"Ein Her-ba-ri-um." 
"Was ist denn ein Herbarium?" 
"Boah Mama, das ist ein Buch mit getrockneten Blumen drin." 
"Hab ich noch nie gehört."
Was die Kinder sich freuen, wenn sie mehr wissen als die Mama. 

26.4.15

Keine Ahnung

Unterwegs mit dem Kindergarten. Blumen, Blüten suchen für ein Herbarium. Und als wir so ungefähr eine Stunde gewandert sind haben wir eine Frühstückspause gemacht. Mitten im Wald. Auf einem maigrünen Teppich mit lauter Vergissmeinnicht. Und wie ist das Schiff da hinten in den Wald gekommen? Keine Ahnung.

22.4.15

Vergissmeinnicht

Heute haben wir mit den Kindergartenkinder noch mal eine lange Wanderung gemacht. Drei Stunden unterwegs. Vom Kindergarten in den Wald. Ich will mit den Kindern ein Herbarium machen, das heißt, jedes Kind soll sich so ein Herbarium machen. Ein kleines. Und dafür sind wir heute los gewandert und haben Wildblumen gesucht. Lohnt es sich überhaupt heutzutage noch ein Herbarium zu machen? Viele Erwachsene wissen gar nicht mehr was das ist. Wozu hat man das denn früher gemacht? Wozu braucht man so was überhaupt? Zur Pflanzenbestimmung? Die Kinder werden ein Blumen-, Pflanzennamen mehr wissen? Aber kriegt man nicht so was tausendmal besser und genauer im Internet? Dafür muss man doch nicht drei Stunden durch die Gegend wandern.  Stimmt einfacher wäre es schon. Es geht uns aber gar nicht um die Pflanzennamen und auch nicht um einfacher und schneller. Eigentlich geht es darum für diese Dinge ein Gefühl zu bekommen, zu staunen und sich zu wundern, ein geradezu liebevolles Verhältnis zu diesen Dingen zu haben. Schaut euch nur mal diese vielen kleinen blauen Blumen an! Mitten im Wald. Vergissmeinnicht heißen die. Vergesst es nicht.

21.4.15

Get out if the hype comes around

Heute habe ich einen Freund besucht. In Düsseldorf. Ne, in Bilk, das ist ja noch mal was anderes. Oder? Nach dem Frühstück sind wir durch Bilk gewandert. An jeder Tür, auf jedem Türschild an dem wir vorbeikommen, steht der Name von irgendeiner Kreativfirma: Filmemacher, Schmuck- und Klamottendesign, Ateliers für Kinder, kreative Ideen und kreative Texte.Und natürlich passend dazu die Cafes für die Leute. Und da haben mein Freund und ich uns gefragt, ob die denn alle von dem was sie so machen leben können? Oder ob die alle so leben wie wir. Wir sind nicht erfolgreich, dafür können wir machen was wir wollen und machen uns ein schönes Leben. Bei Boesner, Künstlergroßhändler, vorige Woche stand neben der Eingangstür ein schöner Satz, in englisch: Get out if the hype comes around. Dann haben wir um zwei Ecken rum ein leerstehendes Ladenlokal gefunden. Vielleicht machen wir da mal was. Was Kreatives. 

13.4.15

Soll ich das etwa sein?

Ich mache mit den Kindern im Kindergarten einen Garten. Hab ich ja schon mal erzählt. Hinterm Haus. 2 x20 Meter Bis gestern eine langweilige Wiese. Wenn ich jetzt hier im Blog darüber erzähle, dann darf ich ja keine Fotos von den Kindern im Internet veröffentlichen. Also habe ich mir ausgedacht, ich zeichne das Wichtigste was wir so gemacht haben. Bestimmt kommt jetzt jemand und fragt, wer soll das denn sein? Soll das etwa ich sein? Bei Fotos fragt das nie einer.
Hier drüber kann man genau sehen, was wir gemacht haben: Die Wiese ratzekahl abgemäht, Gras gekehrt, war ganz schön viel, gebuddelt haben wir auch und viele Regenwürmer gefangen, die Regenwürmer haben jetzt ein neues Zuhause, mit Erde, Sand, trockenem Laub und Kaffeefiltertüten mit Kaffeesatz. In einem großem Glas. Ja, ich weiß, wir lassen die auch wieder frei. 

11.4.15

Drawing diary

Gestern in Düsseldorf

Vor mir gehen zwei Banker. Man erkennt die sofort. Echt teurer Anzug, dunkel, fast schwarz, genauso die Schuhe, Krawatte natürlich, bei dem warmen Wetter haben sie das Jackett geöffnet, die Hände tief in den Taschen vergraben. Daran erkenne ich sofort, dass die nicht zum Topmanagement gehören. Die gehen also vor mir und kichern in sich hinein. "Wie kann man auch so blöd sein!", sagt der eine und beide lachen laut los.
"Dabei hab ichs ihnen noch gesagt!", antwortet der andere und wieder lachen sie laut los. 
"Vielleicht sollten die mal was ganz anderes machen", sagt der eine, "vielleicht sollten die mal Kartoffeln anbauen." Wieder lautes Loslachen. Und ich denke: Kartoffeln anbauen? Ist das vielleicht so ein börsianischer Fachbegriff? So wie Bullen und Bären vielleicht? Jedenfalls waren da vor mir zwei Gewinner, die sich über ein paar Verlierer lustig machten. Obwohl, ehrlich gesagt, ich zum Beispiel würde ja lieber Kartoffeln anbauen, als in so einem blöden echt teuren Anzug durch Düsseldorf zu laufen.

8.4.15

Lass es sein

Wann biste mit dem Garten denn mal fertig? Nicht nur ich stelle mir oft diese Frage. Du räumst jeden Tag stundenlang die Blumentöpfe von A nach B und von B nach A, gräbst Sträucher wieder aus und woanders wieder hin, wann ist der Garten denn jetzt fertig? Meine Frau fragt mich das auch manchmal. Oft sogar. Aber, ihr Lieben, fertig is nix. Der Garten ist doch jeden Tag neu und irgendwie bin ich auch jeden Tag neu. Wenn ein Mensch den Raum verlässt und kommt nach 5 Minuten wieder, glaube nicht, dass es derselbe Mensch ist. Ach, du mit deinem Zen buddhistischen Gequatsche! Gestern habe ich die Blumenzwiebeln aus den Töpfen geholt, eine lange Zweierreihe von Töpfen und hinter und zwischen den Töpfen, habe ich Schlüsselblumen entdeckt. Jede Menge. Wunderschöne kleine Schlüsselblumen. Ich meine, so sollte es ein. Der Garten, Pflanzen, Vögel, Wetter, Sonne, Wind, mit dem Wind sind vielleicht die Schlüsselblumen in meinen Garten geflogen, all das sollte den Garten machen. Ich schaue nur zu und rette vielleicht hier und da ein paar kleine Pflanzen vor brutalen Übergriffen anderer Pflanzen, halte mich ansonsten raus und freue mich nur noch.

7.4.15

Haus Waldfrieden

Das Haus Waldfrieden ist eine echte Waldgaststätte. Mitten im Wald. Man kommt wohl auch auf Schleichwegen mit dem Auto dahin, es gibt einen kleinen Parkplatz, aber eigentlich ist es eine Gaststätte für Wanderer. Und noch mehr für Fahrradfahrer. Ich komme da auch oft mit dem Fahrrad vorbei, halte da an, mache eine Pause und gestern sehe ich das Schild: geschlossen und auf der Terrasse ein Riesenschuttcontainer. Wie geht es weiter?

6.4.15

Skizzenbuch

Wenn ich unterwegs zeichne, suche ich mir immer einen Platz, wo mich niemand ansprechen kann. Eigentlich wollen die Leute im Grunde immer nur wissen, warum ich das alles zeichne. Wozu das nützlich ist. Und mit nützlich meinen sie, ob ich damit Geld verdiene. Und dann antworte ich immer, dass in unserer Zeit gerade das Unnütze das Nützlichste ist, das was uns am meisten mangelt und dass nur das Unnütze schön sein kann. Und dann antworten die Leute, aber von irgendwas muss man doch auch leben. Aber ist das dann wirklich ein Leben? Und hat nicht Rilke irgendwo gesagt: Wenn du mit deinem Skizzenbuch unterwegs bist, mit dem Stromfahrrad übers Land und durch die Stadt fährst, dann bleibe einsam? Lass dich nicht anquatschen? Ja, ich glaube es war Rilke. Oder?

Kibitzei (Schachbrettblume) und Kibitz

5.4.15

Die sieben Raben. Oder: Die sieben Krähen

Sooft ich in der vergangenen Woche am Abend, es möge so gegen die siebente oder achte Stunde gewesen sein, zu der Zeit, wo die warme Abendsonne nur noch auf dem großen Kastanienbaum auf dem Nachbargrundstück zu sehen war, sah ich dort ein paar Raben in dem Baume sitzen. Und ich weiß nicht mehr, wie mir der Einfall kam diese Raben zu zählen, aber jeden Tag zählte ich sie und es waren ihrer an jedem Tag sieben und da rief ich meinen Lieben zu: "Seht nur, das sind bestimmt die sieben vom Vater verwünschten Söhne aus dem Märchen der Gebrüder Grimm. Genau die, die von ihrem Schwesterlein dann später im Glasberg erlöst worden sind!" Da sprach mein eigenes Töchterlein:"Boah Papa, das ist doch nur nen Märchen. Das ist doch nicht in echt passiert. Außerdem sind das keine Raben, sondern Krähen." Was die Pauline alles in der Schule gelernt hat!

3.4.15

Unterwegs sein

Sonne. Frühling. Ich gehe jetzt jeden Morgen los. Fast jeden Morgen. Die Welt anschauen. Der Weg wird immer länger, immer weiter. Eine Art Training. Könnte ich nicht mal einen ganzen Tag unterwegs sein? Morgens wenn es noch kalt ist losgehen, mittags in einem Landgasthof einkehren, weitergehen, mit der Dämmerung nach Hause kommen?

2.4.15

Gartengeschichten

Diese Woche war ich zwei ganze Tage im Kindergarten. Gartengeschichten, ein Vorschulkinder Projekt. Zuerst haben wir  Seed Balls gemacht: 4 Löffel Komposterde, 4 Löffel Lehm, ein Löffel Wildblumensamen. Und weil fast ein ganzer Eimer Erde und ein ganzer Eimer Ton übrig war, haben wir zusammen mit Sand Ackerboden gemacht. Was für ein Spaß! Lernspaß!
Und danach, gestern, haben wir Pflanzensamen uns angekuckt. Bohnensamen. Viele Kinder haben zuerst gesagt, das sind Steine, weil die so hart sind. Und zwei Tage in Wasser eingeweicht? Bohnen! Die gehen auseinander! Und da  ist so was drin! Das ist die Knospe mit zwei Laubblättern, der Keimstengel, die Keimwurzel, das Keimblatt. Mit der Lupe könnt ihr das besser sehen. Und schaut euch das Schaubild an! Biologieunterricht im Kindergarten. Ich bin vollkommen erstaunt und begeistert, wie gerne die Kinder Unterricht  mitmachen. Über eine Stunde aufmerksam, achtsam, interessiert . Dann neben dem Bohnensamen ein Kressesamen, ein Grasssamen, ein Sonnenblumenkern. Gibt es noch größere Samen? Ja, Nüsse, Walnüsse, das sind auch Samen. Dann haben sich alle einen kleinen Minigarten gemacht. Papier in die Plastiktöpfe stopfen, damit die Erde nicht rausbröselt, Gartenerde eindrücken, Samen so tief unter die Erde, wie der Samen groß ist. Kresse nur leicht andrücken, Kresse ist ein Lichtkeimer. Die Kinder merken sich das. Lichtkeimer! Unglaublich! Erzählen es den Eltern beim Abholen. Wusst ich gar nicht, sagt manche Mama dann. Wir, die Hanna, die Andrea und ich,  sind genauso begeistert wie die Kinder. Über die Sache: Wie  man einen Garten macht, über Biologieunterricht und über diese tollen Kinder und auch über uns drei und wie großartig wir zusammenarbeiten. Schade ist nur, ich weiß noch nicht, wie darüber gut berichten, hier im Blog. Fotos der Kinder, wie und was die so machen müssten drinne sein, aber Fotos von Kindern im Internet? Wie kriege ich das Einverständnis der Eltern? Vielleicht sind einige Eltern damit nicht einverstanden und  dafür hätte ich  auch Verständnis. 
Nach Ostern ist die Kresse gewachsen, dann backen wir Brot, und machen Quarkstullen mit frischer Kresse.