28.2.13

Nochmal: Der Duft von Reisbrei

Einfach leben. Die Kunst sich selbst zu finden. Ein Wissen Heft vom SPIEGEL. Mein Frau hat mir das vom Einkaufen mitgebracht. Ein schönes Heft ist das, ich könnte hier dafür Reklame machen. Ich lese ein bisschen, unter anderem eine Geschichte von dem Schriftsteller Feridun Zaimoglu, ich kenn den nicht, tut mir leid, aber der Mann schreibt nicht nur, der malt auch, kann also kein ganz schlechter Mensch sein, also fange ich an zu lesen und das ist tatsächlich ein toller Text. Und heute morgen stehe ich am Herd und koche Milchreis. "Du musst morgen mal Milchreis kochen", hat mein Sohn gestern zu mir gesagt, "wir haben noch zwei Liter Milch im Kühlschrank, und übermorgen könnte es sein, dass die nich mehr gut ist." Ein toller Bursche ist das. (Ich glaube, der möchte nicht, dass ich hier in meinem Blog seinen Namen nenne. Warum eigentlich nicht?) Ich koche also Milchreis und da fällt mir ein Satz aus dem schönen Text von Feridun Zaimoglu ein, keine Ahnung woher der jetzt, am frühen Morgen, kurz nach dem Frühstück kommt, Zitat: "Nach Lebenssinn fragen ist wie Haschen nach dem Haar im Wind." Ich neige ja zum föhlichen Streiten, auch in Form von Selbstgesprächen, streite mit Leuten, die gar nicht da sind: "Das stimmt doch gar nicht!", sage ich zu Feridun, "der Sinn des Lebens ist zum Beispiel...", und weil ich das gerade mache und mir nix besseres einfällt sage ich: "ist zum Beispiel, Milchreis kochen." Und dann erzähle ich dem Schriftsteller, der auch malt meine Lieblingszenbuddhismusgeschichte: Fragt der Schüler den Meister: Was ist der Kern der wahren Lehre? Antwort des Meisters: Der Duft von Reisbrei. Und da sagt der Feridun Zaimoglu zu mir. "Ja, mein lieber Freund, so habe ich das doch auch gemeint."  Das ist schlimm mit mir. Ich streite mich mich mit Leuten, die genau meiner Meinung sind. Gott sein Dank zeichne ich auch ab und zu was. Wenn ich zeichne höre ich mit dem Streiten und den Selbstgesprächen auf.

26.2.13

Wozu und warum soll man heutzutage eigentlich noch zeichnen ?

Die digitalen Kameras werden immer raffinierter, Bildbearbeitungsprogramme, jetzt kann man schon mit dem Handy die tollsten Fotos machen. Warum also sich so einen piefigen Bleistift und ein  Papier besorgen, sich aufmachen, sich auf die Suche machen, sich irgendwo  hinsetzen, versuchen ruhig zu werden, zu sehen und sich so in eine bestimmte Situation hineinzuträumen? Manche Leute fragen mich manchmal: Und warum fotographieren Sie nicht all diese Sachen? Ist doch viel einfacher. Und manchmal fragen mich Leute: Können Sie damit Geld verdienen? Um ehrlich zu sein, manchmal frage ich mich das auch. Nicht wenn ich zeichne, dann sind die Dinge, die Welt und ich mittendrin  in Ordnung. Zweifeln tue ich nur, wenn ich nicht zeichne. 
Und dann gibt es jemanden, weit weg in St. Louis, United States of America, ich kenne und schätze seinen intelligenten, phantasie- und humorvollen Blog, und der schaut sich meine Sketchbook-Drawings auf meinem Blog an, und er kann diese Zeichnungen lesen, kann sich ins Bild hineinphantasieren und   sagt: Klaus, I know what you mean. D.B. Dowd ist Illustrator, Professor of Visuzal Communication in St. Louis, Missouri, sein Blog heißt GRAPHIC TALES  und D.B. hat HIER was geschrieben zu meinen Zeichnungen. Danke.

23.2.13

Apfeltoastbrot

Hab ich das hier schon mal gesagt? Ich glaube ja. Also nochmal: Das Zeichnen gehört ja immer in einen Lebenszusammenhang und kann deshalb  die gleiche Qualität, Atmosphäre haben wie zum Beispiel Schneefegen, Backofen sauber machen, Aufräumen und Kochen. Deshalb hier mal ein Bild vom Frühstückstisch heute morgen, eine spontane Erfindung, wie viele kreative Einfälle aus der Not geboren, wir hatten keine Marmelade mehr: ein Apfeltoastbrot. Man nehme, eine Scheibe Toastbrot, auf mittlerer Stufe getoastet, etwas Frischkäse aufstreichen und darauf dann einen ganzen Apfel, geraspelt, dann darüber Zimt und Zucker, zu gleichen Teilen gemischt. Ich glaube man könnte auch Vanillezucker mal ausprobieren.

Heute morgen

Heute morgen morgen bin ich aufgewacht und da wurde es im Zimmer schon hell. Jetzt wird es immer früher hell, habe ich gedacht, der Frühling kommt. Ich bin aufgestanden, bin in die Küche gegangen, schau auf die Uhr, 5 Uhr. Wie bitte? Und als ich aus dem Fenster schaue, da hat es geschneit. Heftig sogar. Die Welt ist wieder mal weiß. Auch nicht schlecht.

Ein Geschenk von Pauline

22.2.13

Erdkundeuntericht

Die Kinder in der Montessori Schule arbeiten manchmal in kleinen Gruppen auf dem Flur weiter. Neben den Klassen liegt dann herrliches Lernmaterial. Aber manches so schön, so geheimnisvoll und zum Spielen und Nachdenken anregend.Schatzkisten. Immer wenn ich Pauline abhole, kucke ich da gerne nach diesen Sachen. Zum Beispiel diese 8 Kästchen für den Geographie Unterricht. Schwarze Plastikkästen, der Boden als blaues Meer und darin grün die Erhöhung als Erde, Erdteile. Halbinsel und Bucht.Inselgruppe und Seenplatte. Meerenge und Landenge. See und Insel. Die einzelnen Gruppen, ihre Formen sind als Komplementärformen gearbeitet. Ich weiß nicht, ob ich das richtig sage. So wie das Ying und Yang Symbol. Die ausgeschnittene Vertiefung für den See wird zur Insel.  Ich habe das heute morgen nicht genau gezeichnet. (Wer sind Sie eigentlich noch mal?, fragt ein Kind, als es mich da ganz allein im Flur auf dem Boden sitzen sieht. Und ich sage: Ich zeichne hier diese Sachen ab. Ach so.) 
Aber ich suche jetzt nach Dosen, mir gefällt das so sehr, dass ich es nachbaue.

21.2.13

Ich habe mein Skizzenbuch wiedergefunden!

Es war ganz unten im Rucksack. Ich hatte, wie fast alle Leute mit denen ich mich unterhalte, mit frühlingshaftem Wetter gerechnet und mein Buch in den Rucksack gesteckt, zum unterwegs zeichnen und da ist es auch versteckt geblieben unter vielen anderen Sachen und ich habe es die ganze Zeit mit mir rumgetragen. Aber es kann nicht mehr lange dauern. Die Schneeglöckchen sind schon da und viele Krokusse habe ich auch schon gesehen.

20.2.13

Was ist jetzt dran?

Jetzt, heute, heute morgen? Ich habe oft eine ganze Liste im Kopf , von Dingen die gemacht werden müssen, die ich gerne machen möchte und auch Dinge die ich machen sollte.  Diese Dinge, diese Tätigkeiten haben verschiedene Ordnungen: Wichtig, Unwichtig. Kreativ, unkreativ. Kunst, keine Kunst. Dinge die einem Ruhm und Ehre einbringen könnten und Dinge, die einfach irgendwo im Alltag verschwinden. Woher kommen diese Ordnungen, von wem habe ich diese Einteilung von wichtig, unwichtig übernommen? Und wie finde ich raus, was jetzt für mich dran ist?
Heute Vormittag habe ich unseren Backofen gereinigt. Schon gestern Abend habe ich innen den Ofen mit einem Backofen Reiniger von Auro  eingesprüht. Eine ganze Nacht hat es gewirkt. Und heute morgen habe ich mit einem Metallschaber vorsichtig Backreste weggeschabt. Und geputzt mit einem weichen Schwamm. Das Zeug von Auro ist toll. Keine agressive Chemie, Naturchemie, man kann weiteratmen beim Arbeiten, lebensmittelecht ist das Zeug. Die Glasscheibe und der Innenraum sehen jetzt aus wie neu. Ich merke, wie diese  banale, triviale Arbeit, die nichts Besonderes ist, die auch keinen Applaus bekommen soll, wie ich damit in eine Mitte gegangen werde durch die Sorge, das Beachten der alltäglichen Gebrauchtsgegenstände: Den Backofen sauber machen, sich kümmern um die Dinge, die bebraucht werden. Der gute alte Backofen! Und dann merke ich, wie ich aus dieser Mitte heraus dann auch wieder losgehen kann und andere Dinge anfangen kann. Oder auch erstmal nix anfangen muss. Pause. Und in der Pause merke ich, wie zuversichtlich ich werde, dass mich irgendwann auch wieder ein paar Zeichnungen überraschen werden, meine eigenen und die von Freunden, ich muss nicht eilen, nicht mir sofort was beweisen. Und überhaupt, Zeichnen ist eigentlich nichts anderes als: Essen kochen, die Straße fegen, einkaufen gehen, im Garten die Büsche beschneiden, der Frühling ist schon da, und zeichnen ist auch, den Backofen sauber machen.

19.2.13

Dieser Blog ist total verzettelt.

Was macht der Mann eigentlich? Da wird ja keiner schlau draus! Nach all den vielen Tagebuchzeichnungen, nach der Reparatur eines alten Messbuches der katholischen Kirche, nach den Kaltnadelradierungen hatte ich gestern abend das Bedürfnis etwas ganz Einfaches, kunstlos Gewöhnliches zu machen: ein Brillenetui. Rechts. Auch weil ich es jemandem als Geburtstagsgeschenk versprochen habe. "Kannste mir nicht sowas machen für meine Brille?" Mensch, über so einen Satz freue ich mich immer. Na ja, meistens. Links daneben ein Etui für ein IPhone. Beides aus Filz. Handgenäht. Und warum habe ich damit ausgerechnet gestern abend angefangen? Wegen eines tollen Blogs aus Portland Oregon: Wood & Faulk von Matt. Unbedingt ansehen, Leute. Eigentlich würde ich gerne heute noch mehr solche Handwerksarbeiten machen. Taschen zum Beispiel. Oder Geldbörsen. Ich hätte auch gerne so ein schöne Werkstatt wie Matt sie in Portland Oregon hat. Ich stelle mir vor, dass das ein schönes Leben wäre.  Ich müßte halt jemanden finden , der mich dafür bezahlt. Was kann man für so ein Brillenetui nehmen? Klaus, vergiss es!

17.2.13

Der zehnte Andruck von einer Zinkplatte.

Die ersten Linien drucken beim 10ten Male fast gar nicht mehr, mit jedem Andruck werden sie schwächer. Ich arbeitete an jeder Platte weiter, Neues kommt hinzu, die Linien werden kräftiger. Ich sehe beim Zeichnen auf der Zinkplatte die Linien nicht, der Zufall zeichnet mit und meine Erinnerung, ich bin dann  wieder unterwegs, am Bahndamm entlang, wie vor ein paar Tagen, als es geschneit hatte:  Eisenbahnleitungen, Oberleitungen, Unterleitungen, Fabrikgebäuden, Lagerräumen, Schildern und Kirchen am Horizont.

14.2.13

Radieren mit einer Schappa Platte

Nach dem ersten Druck habe ich an der Platte weitergearbeitet, habe hinzugefügt, ergänzt und dann wieder gedruckt. 5 Zeichnungen sind so fertig geworden. Ich will aber mit der gleichen Platte nochmal weitermachen. Morgen.

11.2.13

In einem tollen Buch

von Peter Jenny: Notizen zur Zeichentechnik, Verlag Hermann Schmidt Mainz, habe ich gestern Abend unter anderem den schönen Vorschlag gelesen, das ein Ziel wäre: "Erkennen von "fehlerfreundlichen" Techniken." Ist das nicht ein schönes Wort: "fehlerfreundliche Techniken." Ich meine die Kaltnadelradierung kann sowas sein.

Kaltnadelradierung

Das Schöne ist doch, dass das Material mitspielt, die Nadel mit der Rhenalonplatte, der ungenaue, zufällige Strich, dann das Einfärben, der Andruck alles zusammen macht mit mir das kleine Bild. Die Zeichenweise ist die gleiche wie in meinen Skizzenbücher, diese Zeichnungen benutze ich auch, Rhenalon ist ja durchsichtig: mit der kleineren Druckplatte in dem Buch einen Ausschnitt suchen, die Platte ritzen, andrucken, die Komposition anschauen, korrigieren, also nochmal ritzen. Die Erzählabsicht ist die gleiche wie in den Bleistiftzeichnungen. Gut so. Hat mir viel Freude gemacht.


10.2.13

Giorgio Morandi "I Paesaggi Li Amavo Di Più "


Was war das heute schön

bei Sonnenschein spazieren zu gehen! Und dann habe ich ein paar Radierungen gemacht. Kaltnadel. Auf Rhenalonplatten. Ohne Tiefdruckpresse. Einfach mit dem Falzbein das feuchte Papier angedrückt. Geht doch! Dieses schnelle, einfache Verfahren gefällt mir. Der Strich ist nicht genau zu kontrollieren, Zufälle sind möglich. Gut so. Wenns jetzt noch wärmer wird setze ich mich mit den Platten in den Garten und benutze sie wie ein Skizzenbuch.
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