8.12.17

Unglaublich!



Unglaublich! Seit 13 Jahren wohne ich jetzt in diesem Haus, seit 13 Jahren schaue ich regelmäßig und oft ziemlich lange aus dem Fenster und gestern mit einem Kaffee auf der Fensterbank und weil ich am anderen Ende vom Garten in die alte Feuerschale Vogelfutter getan hatte, konnte ich jetzt die Rotkehlchen sehen und da plötzlich fliegt er an die Schale und holt sich was raus, ein Buntspecht! Unglaublich. Ein Buntspecht. War ja noch nie da! Dann fliegt er an den kleinen Baum, hängt da, wie so ein Specht eben an einem Baum hängt, pickt ein bisschen rum und sofort laufe ich los und suche meinen Fotoapparat, habe ihn auch sofort und wie ich an den Baum kucke, auf die Feuerschale sehe, da ist er weg! Heute sitze ich wieder am Fenster, schaue hinaus und versuche mich zu erinnern, wie er ausgesehen hat, zeichne aus der Erinnerung und warte ob er vielleicht noch mal kommt. 

5.12.17

Lobgesang auf das Papierschöpfen

Heute morgen, aus reiner Langeweile, habe ich drei hellgrüne Eierkartons zerrissen, kleine Stücke, mit Wasser pürriert, eine feine Erbenssuppe wars dann und dann habe ich wieder einmal Papier geschöpft. Papierschöpfen ist eine total blöde, sinn- und nutzlose Tätigkeit.  Mir fallen jetzt schon 20 Leute ein, die mich das fragen werden: Warum machen Sie das? Was machen Sie denn mit dem Papier? Kann man darauf schreiben? Zeichnen? Malen? Sie bekommen doch in jedem Supermarkt viel besseres Papier, 500 Blatt für 2,34 Euro. Und dann weiß ich wieder mal keine Antwort.
Ich habe ein bisschen Buchbinderleim in die Pulpe gerührt, einen Esslöffel voll,  fühlt sich kühl und weich an, der Brei in der Wanne, ein bisschen kriege ich wunderbar kalte Finger beim Schöpfen, das Sieb senkrecht eintauchen, umdrehen, langsam das Sieb auftauchen lassen, hören wie das Wasser aus dem Sieb zurück in die Wanne tropft, jeder Tropfen hört sich merkwürdigerweise anders an, dann hört das Tropfen auf, abgautschen, gleich der erste Versuch: ein japanisch dünnes hellgrünes Papier!  Prima! Eine Suppenkelle Pulpe nachfüllen, dann nochmal schöpfen und nochmal, und dann weiß ich wie es geht, finde einen Rhythmus, vergesse die Zeit, stelle mir vor wie vor hunderten Jahren genauso oder so ähnlich jemand Papier gemacht hat, ich staple die nassen Tücher, baue mit zwei Ziegelsteinen eine Presse, 20 Blatt Papier sind es geworden, aus drei hellgrünen Eierkartons. Und jetzt? Was mache ich mit dem Papier? Mache ich ein kleines Faden geheftetes Buch daraus? Mit aller Buchbinderkunst? Oder ist das Machen, das Papierschöpfen alleine, der Vorgang, für sich schon genug um glücklich zu werden? Autotelisches Tun? Ich habe in einer großen Tüte noch getrocknete Blätter von einem Maisfeld hier um die Ecke. Vielleicht langweile ich mich morgen schon wieder.

29.11.17

Häh?

In den www-Weiten gefunden. Google speichert alles. Ich kann mich an das Bild nicht erinnern. So was habe ich mal gezeichnet, gemalt?

26.11.17

Warte mal! Mach mal noch nix! Kuck erst mal was jetzt passiert!

3 Fehler

 
"In der Song-Dynastie sagte Guo Ruo-xu, dass die Drei Fehler ihre Ursache in der Pinselführung hätten. Der erste wird bezeichnet als ban (Steifheit). Er ist zurückzuführen auf Schwachheit des Handgelenks und einen trägen Pinsel. Die gezeichneten Gegenstände wirken flach anstatt rund, glatt und natürlich. Der zweite wird beschrieben als ke (Stocken). Das bedeutet, dass man während der Pinselführung Zweifel hat. Herz und Hand sind nicht im Einklang. So entstehen beim Malen viele unschöne Formen. Der dritte wird beschrieben als jie (Knoten). Es scheint, als ob etwas blockiert wäre, nicht fließen kann, weder vor noch zurück, sich auflösen möchte, es jedoch nicht kann." Zitat aus: Der Senfkorngarten, Lehrbuch der chinesischen Malerei, Otto Maier Ravensburg, Band 1, 1987 
 
 

25.11.17

Nochmal: Stockrosen auf Texel

Ich habe noch mal in dem Ferienskizzenbuch geblättert, das ich auf Texel gemacht habe, und da habe ich auch die Stockrosen wiedergefunden, die da auf dem Weg zum Bäcker auf den Gehsteig sich gebogen haben, und mit den ganzen Zeichnungen in dem Buch bin ich wieder mal, da auf Texel, früh am Morgen zum Bäcker gegangen. Ja, dafür sind solche Skizzenbücher doch auch da, zum sich erinnern.

24.11.17

Irgendetwas stimmt wieder

Ich fange ja immer sehr genau, sehr realistisch an: Die Stühle, der Tisch, auf dem Tisch eine Tasse Kaffee, ein paar andere Sachen noch und dann mit einmal gefällt mir diese nur Wirklichkeit nicht mehr und ich öffne das Fenster und die Vögel, Meisen und Rotkehlchen, guten Morgen, ihr Lieben, kommen ins Zimmer, vor dem Fenster blühen mit einmal auch wieder die Weigelien, und trotzdem kann ich die Nachbarhäuser im Hintergrund sehen, und den Himmel und da fällt mir noch was ein und dann ist es plötzlich eine stimmige Zeichnung. Draußen und drinnen stimmen überein, nein, nicht draußen und drinnen, aber irgendetwas stimmt jetzt.

21.11.17

Bald kommt der Frühling!

Stockrosen aus Texel. Wenn ich unterwegs bin, zum Beispiel im Urlaub, überlege ich immer: Was könnte ich denn mal meinem Garten als Geschenk mitbringen? Und auf Texel, auf dem Weg zum Bäcker, früh am Morgen, als Erster aufgestanden, noch kaum ein anderer unterwegs, herrliche Stockrosen, biegen sich aus den Vorgärten hinüber auf den Gehweg, sind verblüht, mit dicken, fetten Samen..wie sagt man denn? Samenständen, Samenknollen? Egal.  Die habe ich in die Tasche gesteckt, eingewickelt in Papier und zu Hause in Töpfe getan, und im September sind die Samen schon aufgelaufen, wie die Gärtner sagen. Hier drunter Vergissmeinnicht. Bald kommt der Frühling! Schön wärs!

19.11.17

Kindergarten, Pop Up Bücher, Gedichte, Lieder, Abzählreime


Das ist ein Beispielbuch. Für die Kindergartenkinder. Jeder darf sich so ein Buch machen. Wir lesen Gedichte vor, singen Lieder, machen Abzählreime, jeder sucht sich was aus, zeichnet den Text auf vorbereitetem Pop Up Papier. Zuerst den Hintergrund, dann den Vordergrund. Zeichenunterricht im Kindergarten. Und dann machen wir ein kleines Buch daraus. Zum mit nach Hause nehmen.
"Aber die Kinder können doch gar nicht so gut zeichnen wie du!", sagt dann manchmal ein Erwachsener, der nicht zeichnen kann. 
"Doch können sie wohl", sag ich dann. "Beim Zeichnen gibt es nicht besser oder schlechter." 
Die Kinder lassen sich durch meine Zeichnungen nicht beeinflussen. "Darf ich das abzeichnen?", fragen sie mich. Oder sie zeichnen ihre Zeichnungen und weil sie schon lange mit mir zeichnen, wissen sie, hier kann man nichts falsch machen, jede Zeichnung, die mit guter Laune gemacht worden ist, ist schön.